Folge 8 - PodKANT mit Hausmeister Olaf Raschdorf

Shownotes

Was ihr schon immer über Herrn Raschdorf wissen wolltet – in dieser Folge erfahrt ihr es. Spannende Einblicke in seine Vergangenheit in der DDR und sein Weg zum KANT sind nur Teile dieser hochinteressanten Geschichte… Das müsst ihr euch einfach anhören!

Kontakt: podkant@kant.ms.de Moderation: Nina von Manstein Technik: Christina Böhnke, Ben Abbing Erstveröffentlichung: 11.06.2024

Transkript anzeigen

00:00:01: Herzlich willkommen.

00:00:07: Welcome.

00:00:08: Lascaro Proscimo, liebe Kantianerinnen und Kantianer.

00:00:12: Wie geht es euch?

00:00:14: Ich hab euch vermisst.

00:00:15: Ja, ich hoffe, ihr habt auch den Podcast vermisst.

00:00:17: Ich begrüße euch zu einer neuen Folge unseres wohlbekannten Podcast.

00:00:23: Leider doch wieder viel später erst auf den Weg gebracht, als ich das ursprünglich vorhatte.

00:00:27: Aber so ist der Alltag, der einen manchmal ein wenig aufrisst, sodass man das, was man eigentlich machen möchte, dann doch hinten anstellen muss.

00:00:36: Aber ich will mich gar nicht beschweren.

00:00:38: Mir geht es nämlich richtig gut.

00:00:40: Ich habe heute überlegt, dass es wirklich nur noch ungefähr sechs Wochen bis zu den Sommerferien sind.

00:00:46: Also warum sollte es einem da nicht gut gehen?

00:00:48: Ich hoffe, euch geht es genauso und ihr sagt nicht, boah, noch sechs Wochen, sondern genau wie ich ganz optimistisch nur noch sechs Wochen.

00:00:55: Also ja und ich denke, wir Wir freuen uns alle auf die Sommerferien, aber die Spannung, ich merke das so bei uns hier im Lehrerzimmer und auch bei mir selbst, die Spannung auf das neue Schuljahr, die steigt.

00:01:10: Und kurz vor Schuljahrsende haben wir ja dann auch noch unsere Projekttage.

00:01:14: und die Spannung steigt vor allem, weil nächstes Schuljahr natürlich ein ganz besonderes Schuljahr ist, unser Jubiläumsjahr.

00:01:22: Fünfzig Jahre.

00:01:23: Kantgymnasium.

00:01:25: Ich find's mega, ich freu mich auch schon total auf die Projekttage.

00:01:28: Bin sehr gespannt, was da alles schon so an Vorbereitung stattfinden wird und hoffe, dass ihr da genau so viel Lust zu habt.

00:01:37: Ich mach da schon das zweite Schuljubiläum mit, denn die Schule, an der ich zuvor war, bevor ich ans Kant gekommen bin, die hatte auch ein Schuljubiläum, allerdings schon das hundertste.

00:01:48: Und insofern würde ich doch mal sagen, da sind wir doch hier richtig jung und frisch und Ich bin jetzt seit vierzehn Jahren hier am Kant und ich finde es nach wie vor richtig super, richtig mega und begrüße auch heute jemanden, der auch mittlerweile schon einige Jächen hier am Kant hat und den ich schon immer einladen wollte, aber und das ist jetzt überhaupt nicht ironisch gemeint, bei den ganzen Tätigkeiten, die unser Kantianer, der hier heute bei mir sitzt, erledigen muss, Da ist es schon schwierig, ihn manchmal abzugreifen.

00:02:20: Das muss man schon sagen.

00:02:21: Und das ist, wie gesagt, ihr wisst, ich bin eine große Freundin der Ironie, aber das hier ist komplett ernst gemeint.

00:02:26: Ich begrüße nämlich unseren Wertenausmeister, den Olaf Rastoff.

00:02:30: Hallo Olaf.

00:02:31: Hallo Nina.

00:02:32: Freu mich auch mal hier dabei zu sein.

00:02:35: Hab mir schon die eine oder andere Folge angehört.

00:02:38: Und ja, jetzt mach ich mal hier eine neue Erfahrung mit meinem Podcast.

00:02:44: Ja, das freut mich.

00:02:46: Ich find das auch richtig gut, dass wir es endlich geschafft haben.

00:02:48: Ich hab's dich ja schon immer mal wieder gefragt und dann hab ich wie immer wieder mal den Termin nicht hingekriegt.

00:02:54: Ich will das eben jetzt gar nicht nur darauf schieben, dass du viel zu tun hast.

00:02:56: Es liegt auch vor allem daran, dass ich auch viel zu tun habe.

00:03:00: Aber besser spät als nie, hier sitzen wir nun.

00:03:03: Wie lange bist du denn jetzt mittlerweile schon am Kant?

00:03:06: Ja, fast zehn Jahre.

00:03:08: Guck mal, auch schon eine ganze Zeit.

00:03:10: Und wie kam das?

00:03:11: Wie bist du hier so gelandet?

00:03:13: Ja, wie das Leben so spielt.

00:03:16: Also ich komme ja aus dem Osten und bin dann eigentlich relativ spät hier gelandet, arbeitstechnisch, weil es halt bei mir zu Hause nicht mehr so richtig geklappt hat.

00:03:34: Dann bin ich auf Montage gegangen, dann war ich sechs Jahre in in den niederlanden und ab und zu musste man dann mal noch in deutschland arbeiten wegen der rentenversicherung.

00:03:45: dann bin ich hier renke rode gelandet und ja fand das eigentlich so ganz nett.

00:03:53: und irgendwann habe ich mir halt mal überlegt ja montage wisst ihr nicht unbedingt vielleicht bis der renter machen guckt doch mal ob es nicht in munster was gibt wo sie dich gebrauchen können.

00:04:07: Etischlereien Rinkerode konnte sich damals noch nicht so entschließend mich einzustellen.

00:04:12: Und dann, wie dazufall so will, hat die Stadt für die Flüchtlingseinrichtung Hausmeister gesucht und da habe ich mich beworben und wurde dann auch eingestellt.

00:04:28: Ich habe dann jahrlang den Angesachsenweg betreut.

00:04:32: Oh, schön.

00:04:33: Ja, aber wir haben noch Zeit.

00:04:37: Ja, und dann die Stelle war aber immer befristet.

00:04:41: Und dann haben die halt auch vom Personalrat gesagt, wenn du länger hier weiter statt arbeiten wollt, dann müsst ihr euch auch auf andere Stellen bewerben.

00:04:50: Na ja, und da ist ja dann Schulhausmeister lag dann so als nächstes.

00:04:55: Okay.

00:04:56: Und ja, dann war hier gerade auch die Stelle im Kant ausgeschrieben.

00:05:05: Ja.

00:05:06: Weil der Bertram dann ins Stadthaus Drei gewechselt ist.

00:05:12: Das weiß ich schon gar nicht mehr.

00:05:13: Dann weißt du besser als ich.

00:05:15: Ja, und ja, habe ich mir das angeschaut.

00:05:21: bin dann genommen worden und dann war ich hier.

00:05:24: Ja, wunderbar.

00:05:26: Also ich kann nur für mich sprechen, aber ich glaube auch, so wie ich das immer im Lehrkräftezimmer höre und auch von den Schülerinnen und Schülern, du machst ja echt ein super Job.

00:05:36: Also immer ansprechbar, immer mit einem verschmitzten Lächeln erfüllst du hier dann deine Aufgaben beziehungsweise auch Sachen, glaube ich, die eigentlich gar nicht unbedingt zu deinen Aufgaben gehören würden, oder?

00:05:47: Ist das nicht so?

00:05:49: Ja, es ist schwierig abzugrenzen.

00:05:53: Ich weiß, können dich am Tag ... ... siebzig Leute ansprechen und jeder hat irgendwas anderes.

00:06:00: Gott sei Dank ist das nicht so.

00:06:02: Aber manchmal schon, oder?

00:06:05: Zumindest gefühlt.

00:06:06: Vor allen Dingen immer so vorbeigehen.

00:06:08: Ach du, was ich dir noch sagen wollte.

00:06:11: Und man hat gar keinen Zettel und Dings dabei und muss sich das dann irgendwie alles merken.

00:06:16: Ja,

00:06:16: das glaube

00:06:17: ich.

00:06:18: Ja, ich ... Versuche, also mir macht Spaß, ich versuche halt meiner Tätigkeit gerecht zu werden.

00:06:27: Ich sehe auch, dass ihr immer ganz viel zu tun habt und für bestimmte Sachen auch keine Zeit oder keine Auge.

00:06:39: Ja, ansonsten haben ja Hausmeister an sich nicht so einen guten Ruf.

00:06:44: Ist das so?

00:06:45: Ja, also Schulhausmeister ist ein anderes Thema.

00:06:48: Ja, gut.

00:06:50: Wurde das ein anderes Thema?

00:06:51: Ich habe ja eben gehört, du wolltest eventuell als Tischler arbeiten.

00:06:55: Ist das das, was du ursprünglich mal so gelernt hast, als Auswünsberuf?

00:06:58: Muss man sich das so vorstellen?

00:06:59: Ja.

00:07:00: Du sagst, das eine Tischlereinringe rode hätte irgendwie.

00:07:03: Ja, also ich habe eigentlich zwei Berufe, ich habe zuerst ... Schlosser gelernt und Kraftwerk.

00:07:10: und ja dann wollte ich eigentlich noch Bauingenieur studieren und da kam dann aber die Wende dazwischen

00:07:23: und

00:07:23: da wusste keiner so richtig wo die Reise hingeht und ich bin dann auch Vater geworden also war das dann irgendwie alles schwieriger möglich.

00:07:33: und ja und dann Gab's aber die Chance, ich wollte eigentlich schon immer Tischler was mit Holze machen und da gab's damals Schlecht.

00:07:42: Ausbildungsplätze in der DDR und deswegen habe ich das dann ja vor neunzig bis eineinundneinzig mal schnell nachgeholt in einem Jahr.

00:07:53: Und wo hast du das?

00:07:55: Also das war dann aber schon noch

00:07:56: im Rast, ne?

00:07:58: Ja, ja, genau.

00:07:59: Und in welcher Stadt?

00:08:00: Wo kommst du denn eigentlich genau her?

00:08:01: Ich weiß das gar nicht.

00:08:02: Kottbus, komm ich.

00:08:03: Aus Kottbus, okay.

00:08:05: Und ja, dann war ja da so ein bisschen Aufbruchstimmung und dann habe ich noch mein Meister daran gehängt und dann habe ich mich auch noch selbstständig gemacht.

00:08:15: Boah, voll motiviert.

00:08:17: Ja,

00:08:17: ich wollte die blühenden Landschaften aufbauen.

00:08:19: Ja,

00:08:20: von denen damals gesprochen wurde, genau.

00:08:23: Und ja, und es hat dann aber nicht geklappt, es war... gerade so oben, wo der Euro eingeführt wurde, wo ich das gemacht habe.

00:08:34: Und ja, es war wirtschaftlich, hat es sich halt nicht getragen und ich habe auch festgestellt, dass ich nicht so der Verkäufer bin, was man halt sein muss, wenn man eine Tischlerei hat und sein Zeug verkaufen will.

00:08:55: Ja, dann habe ich eigentlich so gedacht, dann lässt er dich halt als Meister wieder anstellen.

00:09:00: Und das war dann doch relativ schwierig.

00:09:04: Und irgendwann habe ich mich dann entschlossen, auf Montage zu gehen.

00:09:09: Okay.

00:09:11: Wenn wir noch mal so ein bisschen weiter zurückgehen in deiner Biografie, das würde mich natürlich auch interessieren.

00:09:17: Und ich glaube auch einige unserer Schülerinnen und Schüler.

00:09:20: Wie war denn deine Schulzeit?

00:09:22: Du hast ja gesagt, wir lassen mal die.

00:09:25: Wunderschöne Kantklingel erstmal ausklingen.

00:09:29: Wie war denn deine Schulzeit?

00:09:30: Du hast gesagt, du kommst aus Cottbus, also war es dann eben in der DDR in der Schule.

00:09:35: Wie war das so für dich?

00:09:37: Es war eigentlich so ganz in Ordnung.

00:09:42: Bei uns gab es ja halt das System mit den zehn Jahren.

00:09:45: Also ich bin zehn Jahre lang in einer Schule gegangen.

00:09:49: Grundschule und dann weiter gibts, sondern das war alles eine Schule.

00:09:52: Das war

00:09:52: alles eine Schule.

00:09:54: und du kannst halt, wenn

00:09:55: du

00:09:57: besonders gut warst und vielleicht deine Eltern noch in der Partei, dann kannst du vielleicht noch auf die EOS, also auf die erweiterte Oberschule wechseln und da so ein Abitur machen.

00:10:10: Aber da haben sie wirklich nur die richtig guten Lassen.

00:10:17: Cooler, also bestimmte Klasse war es eigentlich ganz super.

00:10:21: Und dann habe ich ja so, erst später erfahren, wird ja irgendwie das Gehirn neu justiert.

00:10:29: Ja,

00:10:29: genau.

00:10:30: Da war ich dann ein bisschen desinteressiert.

00:10:35: Das erleben

00:10:37: wir hier am Kanton natürlich gar nicht, aber ich habe das auch schon mal von anderen Schulen gehört.

00:10:41: Das ist ja die normale Phase dann irgendwo auch.

00:10:44: Genau, aber zehnte Klasse war ich dann wieder voll der Streba.

00:10:47: Ja, natürlich.

00:10:47: Da

00:10:47: habe ich nochmal ein bisschen was rausgerissen.

00:10:52: Und insgesamt so das ... Schulsystem, wie du das erlebst oder beziehungsweise, was du hier so mitbekommst vom vom Unterrichten und vom dem wie Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler miteinander sind, wie überhaupt das Schulleben abläuft.

00:11:06: Ist das sehr anders zu dem, wie du das als Schüler empfunden hast oder wie das abgelaufen ist bei dir?

00:11:10: Ja.

00:11:12: Ja, total.

00:11:13: Total

00:11:13: anders, also klar.

00:11:15: Es gab natürlich da auch nette Lehrer und Verständnisvolle, etc.

00:11:23: Aber es war alles viel strenger, viel klarer geregelt.

00:11:29: Und da gab es auch nicht hier mal ein Unterricht auf die Toilette gehen oder sowas.

00:11:34: Das muss so eine Pause werden.

00:11:37: Hört euch das mal gut an.

00:11:38: Also ich kenne das auch so einige.

00:11:41: Wissensaneignung geachtet.

00:11:44: Also viel auswendig lernen?

00:11:45: Ja,

00:11:45: auch.

00:11:47: Und gab es denn andere Fächer?

00:11:49: Gab es irgendwie... Ja, vielleicht handwerkliche Fächer oder irgendwas, was wir ja hier zumindest an Gymnasien ja schon immer mal so ein bisschen vermissen außer Kunst, haben wir da ja nichts.

00:12:01: Ja, das gab es, das nannte sich so politächnischer Unterricht.

00:12:06: Das ging so ab der achten Klasse los und da gab es dann zuerst mal Unterrichtsräume in so einem Betrieb, wo wir dann Wie war, ja, Bohrmaschinen und Metallbearbeiter, Holzbearbeiter und sowas so.

00:12:24: Kenntnisse aber auch immer, aber auch Elektrik.

00:12:26: Und in der neuen Klasse mussten wir dann immer einen Tag im Monat in so einem Betrieb und dort richtig arbeiten.

00:12:36: Also Schaltschränke verdrahtet und

00:12:38: sowas.

00:12:39: Klingt aber eigentlich total interessant.

00:12:40: Haben das alle gemacht?

00:12:41: Alle, ja.

00:12:43: Haben alle gemacht und gab's so.

00:12:45: Keine, ja.

00:12:47: Naja, es war halt auch eine andere Zeit, weil als Handwerker warst du ja in der DDR ein gemachter Mann.

00:13:01: Es gab ja halt wenig und du musst es halt möglichst alles selber können.

00:13:05: Wenn du dann noch was konntest, was die anderen brauchen konnten, dann ja.

00:13:08: Und deswegen war jetzt dieses Streben nach Abitur und Ingenieur oder irgendwie studieren.

00:13:15: Das war damals noch nicht so ausgeträgt.

00:13:19: Ja, klar.

00:13:21: Wenn das, was du gemacht hast, ohnehin gefragt war, dann brauchte man ja vielleicht auch nicht unbedingt in die Richtung zu streben.

00:13:28: Und dass du handwerklich begabt bist, das zeigt sich ja.

00:13:32: Das zieht sich jetzt durch deine Biografie.

00:13:34: Das habe ich ja jetzt so ein bisschen rausgelegt.

00:13:35: Ja, ja, gut.

00:13:37: Und wie war denn die Zeit der Wende für dich?

00:13:40: Wie hast du das erlebt?

00:13:42: Ja, also man erlebt ja immer die Schichte dann erst nach hinein.

00:13:48: Das stimmt.

00:13:49: Wenn man es noch mal so... Damals

00:13:51: prasselte so viel auf einen ein, weil es war ein ganz neues System, denn wie gesagt bin ich grad Vater geworden, dann habe ich halt diese Umschulung gemacht.

00:14:04: Ja.

00:14:08: die Computertechnik kam dann zu uns, das mussten wir dann auch irgendwie alles, lief alles irgendwie so nebenbei.

00:14:15: Okay.

00:14:17: Wenn man das jetzt mal so Revue passieren lässt, dann denkt man auch, wie hat man das gemacht?

00:14:22: Ja, wie hat man das alles geschaffen?

00:14:24: Wie

00:14:24: hat man das alles in gekriegt?

00:14:25: Aber ja, es ging irgendwie.

00:14:28: Und ja, es war anders, als wir uns das eigentlich gedacht haben.

00:14:33: Ja.

00:14:34: Und es ging ja dann auch.

00:14:37: sehr schnell mit der Wiedervereinigung und Dingen und damals habe ich es nicht verstanden, warum man nicht irgendwie uns ein bisschen Zeit gegeben hat und bis ja irgendwie auch mal neue andere Wege gegangen wäre oder so.

00:14:56: Jetzt so nachhinein sag ich mal, wenn der Helmut Gull das nicht so schnell durchgezogen hätte, dann hätten wir jetzt auch irgendwie in den russischen Verhältnissen.

00:15:09: Ich glaube, dann wäre das nicht so... Wäre es nicht so schnell zu einer Vereinigung gekommen oder nicht so problemlos?

00:15:19: Ja, verstehe.

00:15:20: Ja gut, das ist, ich meine, bei Geschichte ist ja nicht vorher bestimmt in dem Sinne.

00:15:24: Es hätte Alternativen gegeben, wie du schon sagst.

00:15:26: Man hätte ja auch erst mal den Staat der DDR bestehen lassen können und selbst bestimmte demokratische Strukturen aufbauen lassen können.

00:15:36: Aber ja, jetzt ist es dann so gelaufen.

00:15:39: Genau.

00:15:40: Okay.

00:15:41: Und ich zum Beispiel weiß doch ganz genau, wie ich von diesem Mauerfall erfahren

00:15:46: habe.

00:15:47: Das weiß

00:15:48: ich auch noch.

00:15:48: Genau, das sind ja dann doch so einsteigende Sachen.

00:15:53: Ich kam nach Hause, hatte erst mal gar nichts mitbekommen, weil logischerweise hatte man nicht die Möglichkeit, alle zwei Sekunden auf dem Handy irgendwelche neuen Nachrichten zu gucken.

00:16:01: Henrys gab es eigentlich in der Form noch gar nicht, natürlich.

00:16:06: Aber ich weiß, dass ich nach Hause kam und meine Mutter vom Fernseher saß.

00:16:11: und sagt Nina, Nina, du musst dir das unbedingt angucken.

00:16:14: Das glaubst du nicht.

00:16:16: Und ich komme so um die Ecke und denke, na, was ist denn los?

00:16:19: Und dann kam man vom Fernseher nicht mehr weg.

00:16:21: Und ich weiß, dass ich wirklich Gänsehaut hatte und... auch tatsächlich Tränen in den Augen so, weil man immer gedacht hat, das würde man niemals erleben, dass die Mauer fällt und dass die Grenze geöffnet wird.

00:16:33: Also so ging es mir, obwohl ich selber unter der Grenze so, in dem Sinne gar nicht gelitten habe, weil ich aus Westdeutschland komme, also hier aus Münster tatsächlich sogar ursprünglich.

00:16:43: Und wie war das für dich?

00:16:45: Ja, ich daune,

00:16:46: dass du das damals, brauchst du ja ein bisschen jünger als ich, dass du das damals schon so registriert hast.

00:16:53: Ja, also ich hatte sehr zweischneidiges Gefühl, weil ich war zu der Zeit gerade bei der NVA, habe da mein Grundwehrdienst absolviert und ich war nicht weit weg von Leipzig in Weißenfeld stationiert und da, also ich muss es nicht machen, aber all die danach kamen, die haben sich schon mit Gummiknüppeln proben lassen.

00:17:23: Okay.

00:17:24: Und eventuell die Demonstrationen da auseinanderzuschlagen etc.

00:17:30: Also die haben sich darauf vorbereitet.

00:17:32: Also du meinst jetzt so vorher im Vorfeld

00:17:35: des neunten November?

00:17:35: Ja, ich war ja immer die Demos in der Montagsa in Leipzig und da drinnen hat man natürlich immer nicht so viel mitgekriegt, aber klar hat man ja mit seiner Frau und Freundin mal telefoniert oder

00:17:49: irgendwie.

00:17:53: Ja, und die Schein, also dann, also ich weiß noch, ich war, da gab es halt in der Kaserne, da gab es ein Kino und ich war an dem Abend im Kino und kam dann um halb zehn da zurück auf die Stube und da saßen alle vom Radio.

00:18:13: Und waren völlig aufgelöst, etc.

00:18:17: Und das war natürlich Westradio, was man gar nicht hören durfte in der Kassane.

00:18:22: Aber egal, hat man ja eh alles immer gemacht.

00:18:26: Und dann erzählten die, die Mauer fällt, die Mauer fällt.

00:18:31: Und ich hab nur einen Kopf getippt und gesagt, hier spinnt doch.

00:18:37: Da musste ich noch mal eine halbe Stunde warten, bis dann die Nachrichten kamen.

00:18:43: Dann war es so.

00:18:43: Und der krasseste Erfahrung war dann eigentlich der nächste Tag in der Kasane.

00:18:51: Da wussten die mit uns nicht mehr, was sie machen sollten.

00:18:54: Oh nein.

00:18:55: Die ganzen Befehlsoffiziere da etc.

00:19:00: waren ratlos.

00:19:01: Ja, die haben wir erst mal.

00:19:03: Also es passierte erst mal nichts.

00:19:05: Und dann gab es jeden Tag Ausgang.

00:19:08: Früher musste man immer betteln, wie jedes Wochenende und nach Hause fahren.

00:19:13: Also irgendwie so.

00:19:16: Völlig in Auflösung begriffen.

00:19:18: Keiner wusste mehr, was er jetzt ...

00:19:19: Ja, die haben sich dann natürlich nach einer Woche ein bisschen bemüht.

00:19:23: Ich musste

00:19:23: dann auch noch bis Mai da bleiben.

00:19:27: Aber es war halt nicht mehr NVA.

00:19:31: Für die Jüngeren unter uns NVA ist die ... ... Nationale

00:19:35: Volksarmie.

00:19:35: Genau, also das war es bei uns.

00:19:37: Die Bundeswehr ist praktisch.

00:19:41: Ja, in der DDR eben, die NVA, genau.

00:19:44: Und man, das ist ja echt, also was für ein krasser Gegensatz.

00:19:48: Vorher sagt es so so streng und dann auf einmal so, und jetzt, was machen wir jetzt?

00:19:52: Gummisch, dass sie nicht erstmal einfach so ein bisschen weitergemacht haben, sondern es ist direkt, dass so ein bisschen ausgefranzt ist.

00:19:58: Ja, ich hatte die Linie, hatte ihm gefehlt

00:20:01: und irgendwie

00:20:02: die Obersten haben sich um alle weggeduckt.

00:20:05: Und ich glaube, die hat noch Angst.

00:20:08: Irgendwie eskaliert vielleicht noch.

00:20:10: Ich weiß nicht.

00:20:14: Ja, ich weiß nicht.

00:20:15: Ja, sorry.

00:20:16: Ich wollte mich nicht unterbrechen.

00:20:17: Ja, ich weiß auch nicht.

00:20:18: Wir haben da drinnen ein neues Forum gegründet und alles so Sachen, die man sich vorher nie hätte träumen lassen können.

00:20:28: Aber ja, es war also eine Erfahrung, die mich doch auch ein bisschen geprägt hat.

00:20:34: Wenn man dann immer gesagt hat, naja, die können ja immer viel erzählen.

00:20:38: Das kann von einem Tag von anderen, kann alles anders sein.

00:20:42: Ja, das glaube ich.

00:20:42: Und ich glaube, das

00:20:43: ist immer prüfend.

00:20:44: Und ich glaube, das ist auch sicherlich was, was man in Westdeutschland unterschätzt, diese Erfahrungen, die die Ostdeutschen da gemacht haben.

00:20:52: Das von einem Moment auf den anderen.

00:20:56: So ein großer Umsturz passieren kann und so gravierende Folgen ja dann auch für alle dort hatte.

00:21:02: Also das ist ja was, was... Wir im Westen sozusagen so in der Form nicht hatten, sondern für uns.

00:21:07: Also ich habe es immer als total freudiges Ereignis angesehen und habe dann auch eine Zeit lang es nicht so verstanden, als dann ja so die erste Kritik aufkam, an der ganzen Wiedervereinigung und wie es gelaufen ist und wie... dass der Osten eben immer noch nicht aufgeholt hatte und so weiter.

00:21:30: Aber als ich dann älter wurde und mich natürlich auch mehr damit beschäftigt habe, auch im Rahmen natürlich meines Berufes, dann erfährt man so etwas, ja, wenn man sich damit beschäftigt und wie viele Biografien da eben so einen plötzlichen, kompletten Bruch erfahren haben.

00:21:46: Das muss man als Mensch ja auch erst mal Verkraften, wie du eben gesagt hast, die Zeit danach war völlig für dich ja besonders verrückt.

00:21:53: Ja,

00:21:54: ja, also was, gänne ich eben mit Wissensaneigung neue Fähigkeiten und das System verstehen und

00:22:03: ja,

00:22:05: beschäftigt.

00:22:06: Ja, glaube ich.

00:22:07: Trotzdem, also man hat sich halt, war ja vielleicht auch naiv von vielen, man hat sich halt eben ganz anders vorgestellt und das im Westen dann doch nicht alles glänzt, das haben wir dann halt auch schnell gelernt.

00:22:24: Und dass Freiheit ja was Schönes ist, aber wenn du kein Geld hast, dann bist du auch sehr unfrei.

00:22:31: Kannst du sehr unfrei sein und deswegen drehte sich dann die ersten sechs, sieben, acht, na ja, fast zehn Jahre, drehte sich eigentlich alles nur um Arbeit, dass du den Arbeitsplatz behältst, damit du eben Geld hast und dann nicht irgendwie in diese Arbeitsmaßnahmen da reinrutscht, etc.

00:22:56: Das war

00:22:57: die Freiheit zu reisen.

00:22:59: Genau, die Freiheit zu reisen nützt dir nichts, wenn du kein Geld hast, um eine Reise zu machen.

00:23:05: Bevor wir hier gleich irgendwann zum Schluss kommen, weil Wir haben ja schon über so viele Themen gesprochen.

00:23:13: Du weißt, ich lasse hier keinen Gast aus meinem Studio gehen, ohne dass er oder sie ein Kant-Zitat hier mit mir heiß diskutiert hat.

00:23:23: Du hast direkt deinen Zettel parat, sehe ich schon.

00:23:26: Welches Zitat hast du mir denn von Kant rausgesucht, weil das wir uns ein wenig unterhalten wollen?

00:23:33: Ja, also ich finde eigentlich das Zitat von Kant, der Mensch ist vom Komen Holze.

00:23:41: als woraus wohl nicht ganz gerade gezimmert werden kann, finde ich wohl ja sehr weizig.

00:23:51: beziehungsweise entsprechend, weil diese Idealverstellung werden wir doch schwer erreichen, weil doch jeder irgendwie, wie soll ich sagen, Macke oder

00:24:15: Ja, unperfekt sozusagen ist.

00:24:17: Also

00:24:18: nicht alles kann etc.

00:24:21: und auch nicht muss.

00:24:22: Genau.

00:24:23: Also ich habe die Idee ja vorher schon gesagt, ich kannte das Zitat gar nicht und ich finde es richtig gut.

00:24:29: Der Mensch ist aus krummendem Holz, also zu sagen wir sind etwas Natürliches, also wie Holz, kommen aus der Natur.

00:24:37: Und wenn man sich dann Tour anschaut, die ist ja schon in vielen Dingen sehr, sehr perfekt aufeinander abgestimmt,

00:24:43: etc.,

00:24:44: aber da findet man nichts, was komplett gerade ist und was komplett symmetrisch mehr oder weniger ist, sondern es ist ja, wie du schon sagst, alles immer ein bisschen krumm und ein bisschen durch die Umwelt geprägt.

00:24:58: und ein Baum, also Holz wächst ja auch so, wie die Sonne ist oder ob es viel Regen gab oder wenig.

00:25:05: Und dann, wie war der zweite Teil nochmal?

00:25:08: Moment.

00:25:09: Als voraus wohl nicht ganz gerade das Gezimmer werden kann.

00:25:11: Genau.

00:25:12: Also egal, wie sehr ich versuche, da auch künstlich durch Zimmern, also durch Bearbeitung das zu erreichen, das klappt nicht.

00:25:19: Und eigentlich ist das ja auch gut so.

00:25:21: Ja, aber es wird ja in der Schule doch immer ein bisschen versucht.

00:25:25: Ja, das stimmt.

00:25:27: Und auch ... außerhalb von Schule.

00:25:31: Ich finde so diese Stromlinienförmigkeit in dem Sinne zu sagen, es gibt so ein bestimmtes Ideal, dem streb ich nach, sei es ein Schönheitsideal oder ein bestimmtes Ideal, was das Aussehen meines Körpers angeht, das Aussehen meines Gesichts angeht oder wie ich spreche oder was ich alles kann.

00:25:54: Ja, oder was er alles erreichen will.

00:25:56: Genau.

00:25:57: Und das das eben gar nicht... ist eigentlich nicht notwendig.

00:26:02: Vor allem Schämpfer, wir würden das alle so machen.

00:26:04: Das wäre total langweilig.

00:26:06: Wenn wir nicht aus Krummholze wären, und wir wären alle gleich.

00:26:08: Ja, das ist so wahr.

00:26:11: Also, wenn nicht erstrebenswert.

00:26:13: Ne.

00:26:14: Ne.

00:26:16: Das ist ja ein bisschen verrückt.

00:26:17: Das liegt ja mal das Salz in der Suppe.

00:26:20: Ja, genau.

00:26:21: Diese Unterschiede, die machen es doch auch gerade spannend.

00:26:23: Und eben diese Dinge, die anders sind und die ja ungleich sind und nicht symmetrisch

00:26:29: und nicht

00:26:31: gleich gemacht.

00:26:32: Und insofern wirklich ein schönes Zitat.

00:26:35: Ja, ich lerne immer wieder Neues von Kant, womit er sich alle so beschäftigt hat.

00:26:41: Zitate von ihm.

00:26:42: Ja, durchaus.

00:26:43: Also, du hast ja, haben wir eben auch noch mal kurz drüber gesprochen, bevor es losging, auch an deiner Hausmeisterloge.

00:26:50: Ein schönes Zitat von ihm.

00:26:52: Ja, das finde ich auch eigentlich sehr wichtig.

00:26:55: Schade, dass es nicht so klappt, aber...

00:26:58: Das ist wahr.

00:26:58: Der Frieden ist das Meisterstück der Vernunft.

00:27:02: Das finde ich, sagt eigentlich alles diese... Ja.

00:27:09: Kriegstreiberei

00:27:10: etc.,

00:27:11: das ist eben nicht vernünftig.

00:27:15: Und warum das immer noch so sein muss, meistens ja aus irgendwelchen Macht- oder Glaubensfragen, das ist wirklich furchtbar, dass das nie aufhört.

00:27:28: Da dachten wir ja schon mal, wir sind drüber weg, aber...

00:27:31: Genau.

00:27:33: Und eben.

00:27:33: Und ich meine, Cannes als Aufklärer steht ja für die Vernunft, also für das Einsetzen des Verstandes und damit der Vernunft und eben der Frieden als Meisterstück.

00:27:43: Das Meisterstück hat leider die Menschheit immer noch nicht erreicht.

00:27:49: Leider ein etwas trauriges Ende sozusagen, aber wir arbeiten ja dran.

00:27:54: Also ich fand es Ja, finde es nach wie vor gut, dass es hier an dieser Schule auch durchaus interessierte Schülerinnen und Schüler gibt, die halt sagen, zum Beispiel, sie setzen sich für eine friedlichere Welt ein.

00:28:07: Also ich kriege das schon immer mal mit, dass sich Schülerinnen und Schüler in diversen Organisationen auch zusammenfinden.

00:28:17: Oder dass sie an der Rassismus AG, Antirassismus AG, wie auch immer, Courage AG heißt sie ganz genau genommen, teilnehmen.

00:28:24: Dass sie sich auch... für eine bessere Welt einsetzen.

00:28:28: Und ich glaube, was man im Kleinen schon machen kann, ist schon ganz viel.

00:28:32: Ja, vor allem alleine wird es nicht passieren.

00:28:34: Also wenn wir nichts tun, dann passiert auch nichts.

00:28:37: Dann übernehmen die anderen das Ruder.

00:28:40: Also, gegen wir.

00:28:42: Ja, also müssen wir alle ein bisschen auch ein Macher sein.

00:28:47: Und dich sehe ich auch als Macher, Olaf, in ganz vieler Deiner Hinsicht.

00:28:50: Du bist auch so ein Macher-Typ.

00:28:53: Ich fand es super, dass du da warst.

00:28:54: Ich habe wieder ganz viel Interessantes erfahren.

00:28:58: Und das, wo ich dich jetzt auch schon so lange kenne, immer wieder was Neues.

00:29:02: Vielen Dank, dass du da warst.

00:29:04: Ja, danke für die Einladung.

00:29:05: Hat Spaß gemacht.

00:29:06: Ja.

00:29:07: Und wie wir vorher schon sagten, die Zeit vergeht dann doch wie im Flug.

00:29:11: Ja, also ich habe jetzt gar nicht auf die Uhr geguckt.

00:29:13: Ich bin mal gespannt, wenn ich gleich irgendwann die aufendarme Stoppe, wie viele Minuten hier bei uns so zusammengekommen sind.

00:29:19: Aber Mir ist auch wieder sehr, sehr schnell vorgekommen.

00:29:24: Es hat immerhin noch nicht wieder geklingelt.

00:29:26: Da kann man sich über so ein bisschen orientieren, dass die Schulstelle noch nicht rum ist.

00:29:32: Also, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, toll, dass ihr dabei wart.

00:29:36: Ich hoffe, ihr hattet genauso viel Spaß beim Zuhören wie wir hier bei unserer Unterhaltung.

00:29:44: Bleibt alle gesunden, munter und friedlich.

00:29:48: Und ich wünsche euch eine tolle Zeit

00:29:50: und

00:29:50: hoffe mal, dass ich vor den Sommerferien vielleicht noch einen kleinen, kurzen Podkant für euch erstellen kann.

00:29:57: Alles Gute, liebe Grüße von mir, eure Nina.

00:29:59: Ja, ich grüße auch alle, hoffe, dass ihr die sechs Wochen noch übersteht bis zu den Sommerferien und wünsche euch dann eine schöne Zeit.

00:30:09: Okay, tschüss!

00:30:11: Das war eine Folge des Podkant.

00:30:14: der Podcast des Emmanuel Kant-Gymnasiums Münster-Hiltrup, Moderation Nina von Manstein, Technik Christina Bönke und Ben Abing.

00:30:25: Kontakt über www.kant-at-kant.ms.de.

00:30:31: Wir freuen uns über jede

00:30:32: E-Mail von euch.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.